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Denk’mal!-Pfad

Die Bausubstanz einiger der acht Kriegergedächtnismale erfordern den stetigen Unterhalt und auch umfassende Sanierungen. Der Rat der Gemeinde Schermbeck hat sich für den Erhalt der Denkmale ausgesprochen.

Vorwort der Verwaltung

Die Verwaltung hat sodann Möglichkeiten der Finanzierung gesucht, da die aufzuwendenden Finanzmittel schon als erheblich bezeichnet werden können.

In Zuge dessen hat die Gemeinde Schermbeck sich erfolgreich um Fördermittel aus dem Heimatfonds NRW für die Sanierung des Kriegergedächtnismals in Gahlen bemüht. 

Diese Förderung fußt auf der Installation eines verbindenden Weges aller acht Denkmale und der vier Kriegsgräberanlagen (Einzelgrab Weselerwald und die Friedhöfe Altschermbeck, Gahlen und Schermbeck). Die notwendige Projektskizze zur Antragstellung wurde durch die Akademie des Handwerks, Herrn Berg, erstellt. Innerhalb dieser Erarbeitung wurden durch Herrn Berg die in Schermbeck vorhandenen Denkmale baulich beschrieben und der Renovierungsaufwand für den Standort Gahlen eingeschätzt.

In diesem Zusammenhang möchte sich die Gemeinde Schermbeck recht herzlich bei Herrn Berg für die Unterstützung und sein Engagement bedanken.

Neben der baulichen Restaurierung des Denkmals in Gahlen musste insofern förderkonform ein verbindender Weg als pädagogisches Element mit einer demokratischen, friedensfördernden Wirkung konzipiert werden. 

Innerhalb der vorbereitenden Arbeiten wurde früh die Besonderheit von Kriegergedächtnismalen als zeitgebundene Bauwerke erkannt. Auch wurden die Kriegsgräber auf den hiesigen Friedhöfen (Altschermbeck, Gahlen und Schermbeck) als fester Bestandteil des verbindenden Weges in den Fokus genommen. Die Kriegsgräber stehen nicht nur für Gefallene der Kriege, sondern auch für die Schreckens- und Gewaltherrschaft im Umgang mit Zwangsarbeiter:innen und Kriegsgefangenen. Auch in Schermbeck existierten Zwangsarbeiter- bzw. Kriegsgefangenenlager und wurden Zwangsarbeiter:innen auf Bauerhöfen eingesetzt und teilweise einquartiert. 

Der Drevenacker Hans-Peter Weis hat sich für eine Aufstellung eines Mahnmals zur Erinnerung (Gedenken der Opfer vom 11.09.1944) an zwei Kriegsgefangene und acht Zwangsarbeiter/innen eingesetzt. Diese -darunter zwei ukrainische Mädchen- wurden von den Nazis als Exempel aufgrund des Mordes an den Bauern Schüring an der alten Landstraße erhängt. Herr Weis wurde durch einen Presseartikel auf diese Schreckenstat aufmerksam.

Die pressemäßige Aufarbeitung und das Engagement von Einzelpersonen sowie Organisationen gilt es weiterhin zu stützen. 

Andere Beispiele wie z. B. die entsprechenden Theaterstücke, Lesungen und Geschichtsthemen (Pogromnacht) der Schermbecker Gesamtschule leisten ihren Anteil, dass die Erinnerung nicht als reine zeitliche Einteilung empfunden wird, sondern als kaum vorstellbare Schicksale von einzelnen Personen und deren Familien wachgehalten wird.  

Die Gemeinde Schermbeck hat diese Erkenntnis zum Anlass genommen, die Texterstellung und Recherche nebst Einzelbeschreibung der Kriegergedächtnismale, in fachlich fundierte Hände zu geben. Auch weil diese Denkmale in der jetzigen Zeit einer Kommentierung bedürfen, um verstanden werden zu können. 

Im Zuge des Angebotsverfahrens konnte die Kunsthistorikern Frau Laura Viviana Nübel für diese Projektarbeit gewonnen werden. Frau Nübel widmete sich intensiv der wissenschaftlichen Beschreibung und kritisch-historischen Einordnung zu jeder Stätte, die auf der Webseite der Gemeinde Schermbeck veröffentlicht werden.

Innerhalb der Umsetzung hat sich gezeigt, dass die Namensgebung für den verbindenden Weg auch eine Aufforderung zur Auseinandersetzung beinhalten sollte. Insofern wurde der Vorschlag der Historikerin „Denk’mal!-Pfad“ befürwortet. 

Auch die Texte vor Ort auf den Informationstafeln an den Bauwerken wurden durch Frau Nübel erarbeitet. Der ergänzende QR-Code auf den Schildern soll dabei den Schnellaufruf des ausführlichen Textes auf dieser Webseite ermöglichen. Zusätzlich wurde durch die Historikerin eine generelle Einleitung über die allgemeine Geschichte dieser Form von Denkmlen und der historischen Entwicklung der Erinnerungskultur für diese Webseite erstellt.  

Die Gemeinde Schermbeck stützt die Abkehr von der Heldenverehrung hin zum Mahnen, Erinnern und Gedenken. Insgesamt sollen die unterschiedlichen Stätten somit zu Lernorten der Geschichte werden und so ihre heute beabsichtigte Funktion der Mahnung zum Frieden wahrnehmen können. Auch soll durch dieses Projekt den bislang stummen Zeugen eine Stimme gegeben werden. Diese Denkmale müssen in den Fokus genommen werden und nicht nur an den Schützenfesttagen oder Volkstrauertag einbezogen werden.

Der Heimatforscher Helmut Scheffler hat früh die zeitgeschichtliche Bedeutung der Denkmale erkannt und im Rahmen der seinerzeitigen Weihnachtsprospekterstellung durch den ehemaligen Verkehrsverein für die Rückseite des Weihnachtsprospektes eine entsprechende Serie veröffentlicht. Bis auf das Denkmal in Gahlen und die Denkmale in Schermbeck (Postament und Löwe) hat Herr Scheffler die Entstehung, Einweihung und Entwicklung der Kriegergedächtnismale dort detailliert beschrieben.

In diesem Zusammenhang möchte sich die Gemeinde Schermbeck bei Herrn Scheffler für die Überlassung der Texte sowie Fotomaterial und für die Unterstützung von Frau Nübel sowie der Gemeinde Schermbeck bedanken.

Durch die Antragstellung der Kilianschützengilde Schermbeck konnte im Rahmen der Städtebauförderung 2015-2022 innerhalb des Verfügungsfonds 2020 die Sanierung des Postaments (Krieg: 1866-71) und des Löwen (I. und II. WK) gewährleistet werden. Im Zusammenspiel mit dem ehrenamtlichen Engagement der Kiliangilde und des Ausbaus des Piazza-Bereiches wurden die vierseitigen Denkmale wieder sichtbar. Nicht nur die abendliche Beleuchtung des Löwen verleiht dem Denkmal seine Bedeutung. Auch hier hat Herr Berg mit seinem fundierten Fachwissen die Arbeiten unterstützt. 

Zu guter Letzt möchte sich die Gemeinde Schermbeck auch im Namen der Historikerin bei Herrn R. Gardemann für das zur Verfügung gestellte Bildmaterial bedanken.

Historische wissenschaftliche Ausführung

Orte zum Gedächtnis – Die Entstehung von „gewollten“ Denkmalen

Der Duden unterscheidet beim Begriff des Denkmals in zwei unterschiedliche Kategorien. Die erste Definition beschreibt Monumente die errichtet wurden, um jemanden oder etwas zu gedenken. Das lateinische Wort monumentum setzt sich aus den Worten monere – mahnen, erinnern und mens, mentis – Denkkraft, Sinn, Gedanke zusammen. Es handelt sich also dem Wort nach um bewusst gesetzte, in Stein gemeißelte Gedächtnishilfen. „Die Bandbreite reicht von monumentalen Triumphbögen, die sich römische Kaiser zum Andenken an ihre Kriegszüge errichten ließen, über Reiterdenkmäler, Standbilder, Brunnen, Kriegergedächtnismale, Gedenktafeln usw. bis hin zu den Gräbern auf den Friedhöfen, die auch Denkmäler für die Verstorbenen darstellen.“

Orte mit Gedächtnis – „gewordene“ Denkmale

Zur zweiten Kategorie des Dudens gehören, der Wortbedeutung nach, Kunstwerke, die von früherer Kultur Zeugnis ablegen. Anfang des 19. Jahrhunderts geht ein Ruck durch das heutige Deutschland: Die Erhaltung von Baudenkmälern wird zu einem gesellschaftlichen Anliegen. Hervorgerufen wird dieser aufkeimende Wunsch durch eine Verlusterfahrung. Stadtmauern werden eingerissen, um die Orte an das Eisenbahnnetz anzuschließen, Klöster werden aufgelöst und abgerissen, der Beginn der Industrialisierung fordert immer mehr Platz und verändert das Stadtbild kolossal. Es entwickelt sich der Denkmalbegriff des zweiten Wortsinns. Daraufhin werden historische Bauwerke als Denkmal eingestuft und als schützenswert klassifiziert. Von Beginn an ist dieser junge Gedanke ein heiß diskutiertes Thema und es bilden sich verschiedene Meinungen und Strömungen über den Umgang mit dem kulturellen Erbe heraus. Knapp hundert Jahre später publiziert der Wiener Kunsthistoriker Alois Riegl einen Aufsatz, der den Umgang mit Denkmälern bis heute grundlegend beeinflussen wird. In „Der Moderne Denkmalkultus. Sein Wesen und seine Entstehung“ weist er Denkmälern drei zentrale Eigenschaften zu, die er Werte nennt. Einer von ihnen ist der Alterswert: „Der Alterswert eines Denkmals verrät sich auf den ersten Blick durch dessen unmodernes Aussehen. Und zwar beruht dieses unmoderne Aussehen nicht so sehr auf der unmodernen Stilform, denn diese ließe sich ja auch imitieren, und ihre richtige Erkenntnis und Beurteilung wäre fast ausschließlich dem verhältnismäßig engen Kreise gelernter Kunsthistoriker vorbehalten, während der Alterswert den Anspruch erhebt, auf die großen Massen zu wirken“. Damit ist der Alterswert ein „Gefühlswert“, der jedem Menschen zugänglich ist egal welchen Alters oder Bildungsstandes. Der Erhalt von Denkmälern ermöglicht den Betrachter:innen somit den Ablauf der Zeit wahrzunehmen und eine persönliche Positionierung in dieser. Über die Identifikation mit Vergangenem können wichtige Bezüge zu Gegenwärtigem hergestellt und Denkmäler zu zentralen Lernorten im öffentlichen Raum werden. Ein Beispiel: Ein Kind, das in Schermbeck aufgewachsen ist, wird wie magisch angezogen von einem geheimnisvollen Ort. Ein großer steinerner Löwe in einem Rhododendron-Hain verursacht ein Wundern und Schaudern. Daher wird dieser immer wieder aufgesuchte Ort zentraler Bestandteil der Erinnerung an die Kindheit und der Ortsverbundenheit. Erst später, mit fortscheitendem Alter, auch beim Klettern auf diesem Getier, erkennt es, dass Zahlen und Worte das Standbild ergänzen. „Das Bedürfnis nach Vergangenheit gehört nach Riegls Erkenntnis zu den Grunderfahrungen der Menschen, wobei die Denkmäler als greifbare und erlebbare Zeugen von Vergangenheit ideale Medien für die möglichen Arten von Aufarbeitung sind.“ Das spielerisch erfühlte und geweckte Interesse soll in fundierte historische Bildung überführt werden. Nicht nur in Bezug auf Kinder, sondern für alle Benutzer:innen. Dabei ist die Schwierigkeit auch problematische Zeitschichten, die an diesen Gebilden haften, nicht zu übersehen, sondern sichtbar zu machen. Da es sich bei den beschriebenen Stätten um Denkmäler im doppelten Wortsinn handelt, bilden sie eine ideale Basis für eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Aus dieser Idee heraus entstand der Schermbecker Denk‘mal!-Pfad. Helmut Scheffler als bekannter Heimatreporter und Forscher ist seit Jahrzehnten fest mit der Gemeinde Schermbeck verbunden und hat dieses Projekt maßgeblich unterstützt. Darüber hinaus war die Akademie des Handwerks Raesfeld, namentlich im Besondern Herr Berg an der Erfassung nebst Zustand der Stätten beteiligt.

Denkmale für eine Nation

Beeinflusst sind diese Architekturen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts im Besonderen von Entwürfen der preußischen Architekten Friedrich Gilly und seinem Schüler Karl Friedrich Schinkel. Friedrich Gilly prägte mit seinen viel verkauften Zeichnungen der Marienburg, welche später zum ersten deutschen Nationaldenkmal werden sollte, die Rezeption der Gotik sowie die Verklärung des Mittelalters als genuin deutsch. Auch Schinkel verwendete gotische Elemente in seinen Entwürfen für das Mausoleum der verstorbenen preußischen Königin Luise. Beide engagierten sich in offiziellen Ämtern innerhalb der jungen Denkmalpflege. Schinkel wurde sogar zum Chef des Bauwesens in Preußen ernannt. Zentrales Element in den steingewordenen Ideen Gillys wie auch Schinkels ist die Positionierung des Menschen zur Architektur und wie er durch den Raum bewegt wird. Dabei spielen die Lichtregie, der gewählte Ort inklusive der Bepflanzung und die historisierende Formensprache (Antike, Gotik) eine zentrale Rolle. Bereits ihren Zeichnungen ist zu entnehmen, dass die Betrachter:innen eher Benutzer:innen sind. Meistens durchschreiten sie einen Weg mit einer Steigung von dunkel nach hell. Dieser Weg ähnelt einem beschwerlichen Pfad der Erkenntnis und soll eine Aura der Erhabenheit erzeugen.

Betrachtet man die Entstehung des Denkmalbegriffs in Deutschland, so ist sie stark an den aufkeimenden Nationalstaatsgedanken geknüpft. Nicht nur die gewordenen, sondern im Besonderen die gewollten Monumente sind davon betroffen. Der Denkmalkult, der sich im 19. Jahrhundert herausbildet, zielt spätestens seit den 1860er Jahren auf die Identifizierung der Bevölkerung mit dem Deutschen Reich ab. Es wird eine von oben genannten Architekten beeinflusste Formensprache für diese Bauwerke entwickelt, die eine emotionale Regung in den Betrachter:innen hervorrufen soll. Eine einheitliche Ikonografie für ganz Deutschland durchzusetzen scheitert jedoch. Trotz der großen Bandbreite in der Konzeption von Denkmälern greift sie häufig auf Elemente eines bestimmten Repertoires zurück, die entweder historische Kontinuität oder die regionale Zugehörigkeit verdeutlichen sollen. Dazu gehört natürlich unter anderem die inflationäre Verwendung des Adlers, aber auch die Verwendung von blockhaften massiven Gesteinssorten u. Ä.. Auch geleistete Verdienste sollten gewürdigt werden und im Besonderen bei dem Soldatengedächtnis die Vorbildfunktion der Gefallenen in den Vordergrund rücken. Innerhalb dieser Entwicklung war jede Gemeinde bestrebt eigene solcher Denkmäler zu besitzen, um die Ideen in alle Volksschichten zu tragen. Dies ist auch in der Gemeinde Schermbeck der Fall gewesen. Sie kann beispielhaft und stellvertretend betrachtet werden. Die Verwendung von Denkmälern sowie ihre Formensprache manifestierten sich bis hin in die Zeit des Nationalsozialismus und trugen dort in besonderer Weise grausige Blüten. Abschließend ist festzuhalten, dass Denkmalarchitekturen im Besonderen der Intention unterworfen sind, die Benutzer:innen nicht nur körperlich, sondern auch mental zu bewegen und sie auf persönlicher Ebene meinungsgebend zu positionieren. Es liegt dabei auf der Hand, dass es sich bei den bis 1945 errichteten Denkmälern um Stätten gehandelt hat, die nicht nur missbraucht, sondern geradewegs dazu erdacht wurden, auch innerhalb von dort abgehaltenen Zeremonien, Kriege zu legitimieren, zu glorifizieren und zum bereitwilligen Eintritt in den Kampf anzuregen. Um es mit den Worten Kurt Tucholskys zu sagen, der selbst an der Herrschaft der Nationalsozialisten zu Grunde ging, „Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.“

Haine und Pflanzensymbolik

Als Hain wird heute meistens ein kleiner Wald oder eine Baumgruppe bezeichnet. Ursprünglich beschrieb das althochdeutsche Wort hagan jedoch Dorngesträuch. Damit war ein eingefriedeter Platz gemeint. Bereits antike griechische und römische Quellen berichten von geheiligten Waldstücken, die bei der Übersetzung ins Deutsche (besonders im 15. und 16. Jahrhundert) mit Hain bezeichnet wurden. Schon in diesen frühen Übersetzungen wurde der Begriff aufgeladen mit einer poetischen, sakralen Bedeutung. Der Wortbestandteil Hain in Toten- bzw. Friedenshain belegt dies bis heute eindrücklich. Auch nördlich der Alpen, im sog. Barbaricum, ist in dieser Frühzeit die Verehrung von gehegten geheiligten separaten Bäumen, wie auch von Waldstücken, festzustellen. Diese Orte lagen unweit der Dörfer und dienten der Ahnenverehrung, dem rituellen Opfer oder dem Gebet. Quellen berichten davon, dass bedeutende germanische Feldherren, wie z. B. Arminius, ihre Truppen in einem Hain versammelten. Dies hing unmittelbar mit der Vorstellung zusammen, dass der Schatten eines heiligen Haines Flüchtende aufnahm und unverletzlich machte. Durch die geschilderten Bräuche bekamen heilige Haine eine Konnotation, die unweigerlich mit dem Gedenken an Gefallene verbunden wurde. Verstärkt wurde diese Auslegung im 19. Jahrhundert bei der Suche nach germanischen bzw. ur-deutschen Traditionen innerhalb der Bildung einer Nation. Es ist festzuhalten, dass fast alle Kriegergedächtnismale in Schermbeck in solche Anlagen eingebunden wurden. Rein praktisch schirmen Haine die Denkmäler vom möglichen Trubel des Umraumes ab. Sie hüllen die Stätten in Stille und sind wichtiger Teil der bereits erwähnten Lichtregie. Es ist nicht verwunderlich, dass die verwendeten Bäume häufig mit symbolischen Bedeutungen besetzt sind. Es bildete sich ein typischer Kanon von verwendeten Arten heraus. Schon bei den Germanen waren die Esche Wotan/Odin und die Eiche Þor/Donar geweiht. Auch die Linde, Ulme und Tanne galten als heilige Bäume. Auch der Wacholder hatte bereits in der römischen Antike eine wichtige Bedeutung. Er galt in unterschiedlichen Verwendungen als Todesbaum, der die bösen Geister und Dämonen abhalten konnte oder auch als Lebensbaum für ewiges Leben. Die häufig verwendete Stechpalme gilt seit keltischer Zeit durch ihre Farben rot und grün als Symbol für Liebe und Hoffnung. Außerdem wurde auch ihr nachgesagt, dass sie vor Bösem schützen sollte. Buchen, als ursprünglichste Baumsorte Nordeuropas stehen für die Verbindung zum göttlichen sowie Weisheit und die Erfüllung von Wünschen. Viele der symbolischen Bedeutungen ähneln sich und beziehen sich auf den Schutz der Verstorbenen. Andere Bäume, wie die Eiche, Esche oder Linde sind stark mit dem Verständnis von traditionellem deutschen Brauchtum verbunden. Durch die grünen Symbolträger werden somit die Wirkung und Bedeutung der Denkmäler ergänzt, bzw. die Vegetation ist als fester Bestandteil der Intention des Erbauers zu betrachten.

Kriegerdenkmal, Kriegermal, Ehrenmal – „Am Gedenkstein stößt sich der Zeitgeist“. Die Problematik eines Begriffs und dem schwierigen Umgang der damit bezeichneten Stätten

Das treffende Wortspiel Helmut Schefflers zeichnet spielerisch ein Bild der Diskussion, die derzeit hitzig in ganz Europa geführt wird oder wie die Mitarbeiter:innen des vorliegenden Projektes denken, geführt werden muss. Die Geschichte zeigt, dass Wut und Revolutionen sich an in Stein gemeißelten Denkmälern entladen. Standbilder wurden stets von ihren Sockeln gestoßen, gehängt, geköpft, fast rituell beschädigt. Dies zeigt einmal mehr, dass viele dieser historischen Standbilder aktuelle emotionale Bedeutung für die Individuen einer Gemeinschaft haben die um sie herum leben. In Deutschland gibt es ca. 100.000 Kriegergedächtnismale. In vielen Städten stehen sie im Zentrum der Kritik. Es häufen sich Stimmen, die einen anderen Umgang mit den mit unreflektierter Verherrlichung von Rassismus und Kolonialismus behafteten Orten fordern. Erste Versuche die dichte Denkmallandschaft Deutschlands zu verändern bildete die Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrates, die eine Entfernung aller militärischen und nazistischen Denkmäler und Museen verlangte. Der Befehl bezog sich jedoch ausschließlich auf die nach dem 1.August 1914 entstandenen Denkmäler. Es sollten „Ausnahmen [...] in Bezug auf Grabdenkmäler gemacht werden, die auf der Beisetzungsstätte der auf Schlachtfeldern gefallenen Angehörigen der regulären Truppen errichtet worden sind.“ Diese Ausnahme entsprach jedoch dem seit dem 1. Weltkrieg verbreiteten Umgang, dass Grabstätten von Soldaten einem generellen Schutz unterlagen. Es war politisch geboten die Symbole eines Regimes zu überwinden und eine neue Ikonografie sowie Benutzung zu etablieren. Leider ist die konsequente Umsetzung weitestgehend ausgeblieben. Nicht nur die Denkmäler selbst, sondern auch ihre Benennung ist durchaus problematisch. Selbst bei der Durchsicht der im Gemeindearchiv Schermbeck vorliegenden Archivalien wird klar, dass die Bezeichnung der Stätten stets einem Wandel unterworfen war. Unter den Zeitzeugen herrschte besonders vor 1933 große Uneinigkeit über die korrekte Benennung. Vermehrt ist vor dem 1. Weltkrieg die Bezeichnung Kriegermal oder Kriegerdenkmal zu finden. Der heute weiterhin verbreitete Begriff Ehrenmal findet sich vorrangig erst in den Dokumenten ab 1933. Innerhalb dieses Projektes soll sich von diesem Begriff distanziert werden, da er die propagandistische Wirkung eines Heldengedenkens impliziert. Angelehnt an Achim Hubel sollen Gedenkstätten für gefallene Soldaten im Weiteren als Kriegergedächtnismale beschrieben werden. Häufig wird in der Einstufung der Kriegergedächtnismale des 1. und 2. Weltkrieges ein Unterschied gemacht. Oft werden die Denkmäler, die dem 1. Weltkrieg gewidmet sind, als unbedenklicher angesehen. Tatsächlich ist aber festzuhalten, dass zum einen trotz der großen Ernüchterung und Kriegsmüdigkeit, die in breiten Massen der Bevölkerung bereits nach wenigen Wochen des 1. Weltkrieges eingetreten war, die Stätten auch nach dem Krieg weiterhin zur Glorifizierung des Krieges sowie zum weiteren Anstacheln zu kriegerischen Handlungen Verwendung fanden. Zum anderen wurden viele der Kriegergedächtnismale für den 1. Weltkrieg nach 1933 geplant und oder bewilligt und bereits von der von Berlin aus eingesetzten Beratungsstelle für Kriegerehrungen abgesegnet. Damit wurde eine zentralgesteuerte „gleichgeschaltete“ Ästhetik zu propagandistischen Zwecken durchgesetzt, die bis heute unkommentiert geblieben ist. Die Gesellschaft ist sich uneinig darüber ob diese historischen Stätten nun restauriert und damit erhalten oder ihrem Verfall überlassen werden sollten. Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz fordert eine kritische und aufklärerische Auseinandersetzung mit dem schwierigen Erbe. „Es darf keine Pauschalregeln geben, man entscheidet von Fall zu Fall. Vor allem sollte keine Lösung als endgültig betrachtet werden, die Aushandlungsprozesse müssen dynamisch, die Deutungsvorgänge unabgeschlossen bleiben. Nur so können wir garantieren, dass das Erbe der Vergangenheit weiterhin als nützliche und konstruktive Kraft zur positiven gesellschaftlichen Veränderung fungieren kann – in dem Bewusstsein, dass Veränderungen immer notwendig und Verbesserungen immer möglich sein werden.“ So setzte sich in der Denkmalpflege die Einsicht durch, dass langfristig auch ein schwieriges, mit unangenehmen Erinnerungen und Konnotationen behaftetes Denkmalerbe schützenswert ist. Immer mehr Städte, wie z.B. Duisburg, kommentieren ihre Kriegergedächtnismale offensichtlich im öffentlichen Raum und integrieren sie in didaktische Konzepte, die zur kritischen Auseinandersetzung aufrufen und anregen. Auch der Volksbund Deutsche Kriegsfürsorge e. V. liefert Anregungen für den Umgang mit Kriegerdenkmälern des 1. Weltkrieges.

„Ein Heldendenkmal verhindert individuelle Trauer“, meint der Hamburger Ulrich Hentschel. Durch das weitere Festhalten am Heldenmythos „finde eine Kollektivierung statt“, die nicht mit der Glorifizierung bricht. Innerhalb der Erarbeitung zum Integrierten Städtebaukonzept 2023 -2030 hat die Planungsgruppe Schermbecks vorgeschlagen, den sogenannten Bereich Ehrenmal Schermbeck "neu" zu denken. Die Gemeinde Schermbeck distanziert sich von der Heldenverehrung, die diese Plätze bis heute verkörpern. Außerdem soll die ritualisierte Nutzung von Kriegergedächtnismalen beendet werden. Dies entspricht dem Wunsch der Gemeinde den Stellenwert der "stummen" Zeugen aufzuzeigen und alle Generationen aufzufordern dem Mahnen eine Stimme zu verleihen. Auf diese Art und Weise können historische Wahrheiten sichtbar gemacht werden. Dabei sollen im weiteren Verlauf der Arbeit gegen das Vergessen auch die bisher vernachlässigten historischen Schauplätze (wie z. B. die Gräueltaten der 3. Marinebrigade Löwenfeld, Kriegsgefangenenlager und in Schermbeck internierte Zwangsarbeiter:innen sowie in Schermbeck Beerdigte europäische Kriegstote und ihre in Vergessenheit geratenen, unvollendeten Geschichten) aufgezeigt werden. Die Internetseite, die die aufgestellten Tafeln ergänzt, wird mit weiterem Leben erfüllt werden: Sei es durch Podcast-Beiträge, zukünftige Schulprojekte oder kreative Kunstaktionen. Das Projekt soll kritische Gedanken innerhalb des Gedenkens fördern unter dem Aufruf: Denk mal!. Die Förderung dieses Projektes erfolgte durch das Land NRW und den Heimatfonds.

Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen

Gemeinde Schermbeck in den sozialen Medien